Kategorie: Gedanken & Meinungen

  • Ursprünglich gepostet im LarperNing hier.

    Die Entwicklung eines Charakters ist keine reine Reaktion auf Ereignisse, die im Spiel passieren. Sie ist auch von etlichen OT-Faktoren abhängig. Darauf hat Toji in einem Beitrag hingewiesen und damit den Vorschlag für die Rubrik „Charakter Spotlight“ gemacht (Klick hier!). Einen Vorschlag, den ich mit diesem Beitrag aufgreife, denn auch bei meinem aktuellen Hauptcharakter Askir von der See waren meine OT-Situation, meine Wünsche, finanziellen Mittel und handwerklichen Möglichkeiten sehr oft entscheidend für den Weg, den der Charakter dann auch im Spiel genommen hat – und sicher noch nehmen wird.

    Eigentlich ist der Charakter aus zwei Gründen entstanden. Zum Einen, weil mein bisheriger Hauptcharakter Mathras von Orktrutz sehr unentspannt war. Ein dorlónischer Reichsritter, der für das Gute kämpfte, Truppen kommandierte, immer die Verantwortung übernahm und irgendwann das Pflichtbewusstsein in Person war. Echt anstrengend auf Dauer. Mathras bot einfach nicht mehr die Entspannung, die ich im Larp suchte. Zum Anderen stand das Geburstags-Larp mit Priesterweihe meiner Frau an, wofür ich auch als Wirt agieren wollte – und ein Reichsritter wäre bei der Übernahme des Jobs wohl in gewisse Erklärungsnöte gekommen.

    Also entstand der Streuner Askir. Moralisch flexibel, gesellig und ungebunden, lebenslustig und dem Gold nicht abgeneigt. Eigentlich ein Tavernencharakter, der den Plot weitgehenst ignoriert. Der sich nicht engagiert und keine Verantwortung übernimmt (Aye, jede:r, der:die Askir aus dem Blauen Lager kennt darf jetzt mal Lachen). An sich war Askir als das ausgelegt, was man als „Tavernencharakter“ bezeichnete. Einfach Spaß haben und entspannen. Daher habe ich ihn auch recht flexibel angelegt (Universeller Charakter nach DragonSys 3rd), so dass er alle Möglichkeiten hatte sich zu entwickeln. Also mal sehen, wohin ihn der Wind trägt.

    Da man einen Charakter erstmal ausprobieren sollte und zu der Zeit das Geld knapp war, startete Askir ganz simpel mit einer günstigen Stoffhose, einem Hemd, einem Schlapphut aus dem Karnevalsbedarf und einem günstig bei Ebay geschossenem Ledermantel (01). Das Konzept ist aufgegangen, ich habe gemerkt, dass man auch ohne heldenhaftem Gebahren Spaß haben kann und daher direkt nach dem Con angefangen die Kleidung zu überarbeiten. Da wir zu dem Zeitpunkt angefangen hatten selber zu nähen war das auch finanziell irgendwie machbar, denn wenn man auf HartzIV ist, sind die Möglichkeiten etwas eingeschränkt. Aber Stoff für eine neue Hose, einen neuen Mantel und einen neuen Schlapphut mit Feder war irgendwie drin (02). Dabei hatte ich mit der Stoffwahl des Mantels echt Glück, denn er ist innerhalb kurzer Zeit schön „gealtert“ (03).

    Seit meiner Kindheit ein Fan von Piratengeschichten erhielt Askir übrigens einen Seefahrerhintergrund, auch wenn dieser in den ersten Jahren nur geringe Relevanz im Spiel hatte. Während ich aber für bisherige Charaktere ganze Romane an Hintergründen geschrieben hatte wollte ich es mir bei auch in dieser Hinsicht Askir einfacher machen. Zumal meiner Erfahrung nach eh Niemand Interesse für den Hintergrund eines Charakters hat und man ihn nur an den Mann oder die Frau bringen kann, wenn man Jemanden eine Kassette ins Ohr drückt. Wie das Leben so spielt dauerte es aber nur zwei Cons, bis Jemand Askir nach seiner Herkunft ausfragte. Natürlich: Wenn man einen total ausgearbeiteten Hintergrund hat, fragt kein Aas, aber kaum hast Du Dir darüber kein Gedanken gemacht … Murphy’s Law, befürchte ich. Spontan habe ich dann (als mittelalter DSA-Spieler) „Havena in Aventurien“ geantwortet. An sich ein Glücksfall, denn es gibt viele aventurische Charaktere, die man so auch im allgemeinen Larp trifft, mit denen man direkt eine gemeinsame Basis hat, was im Spiel zu vielen interessanten Begegnungen führt.

    Wer kennt es nicht? Eine liebe Person hat eine tolle Idee für ein Großcon, fragt ob man mitmachen möchte und man bastelt sich dann irgendwas zusammen, wieso der Charakter jetzt dahin kommt und mitmacht. Genau das führte dazu, dass sich Askir nur wenige Monate nach seinem ersten Auftritt in einem neuen Hospital im Freien Lager beim Conquest of Mythodea wiederfand. Das war übrigens 2008 und wir hatten tolles Spiel und viele besondere Momente. Das schienen auch Andere zu meinen, weshalb dieses Hospital, bei dem ich auch beim CoM 2009 arbeitete, sogar ein Lehen im Nördlichen Siegel erhielt. Selfiran, falls Jemand das kennen sollte. Die Mitgliedschaft in der Hospitalsgruppe (auch außerhalb des CoM) führte dazu, dass Askir an sich sein Geld als Heiler verdienen könnte. Wenn mir das Heilerspiel wirklich Spaß machen würde. Nach einem stressigen CoM 2009 (von dem auch das Bild 04 ist) habe ich festgestellt, dass das nicht der Fall ist und ich diese Fähigkeiten nur noch im äußersten Notfall im Spiel einsetzen werde. Also wenn noch nicht mal ein Metzger oder ähnlich rudimentär geeignete Charaktere anwesend sein sollten.

    BÄMM! Kompletter Kleidungsreset. Weg vom Heiler, zurück zum Streuner im Stil eines Straßenräubers (05). Einfach weil ich OT nicht mehr mit meiner Kleidung zufrieden war. Sie sah nicht aus einem Guß aus. Aber dazu kommt auch, dass sich die finanzielle Situation einfach indessen verbessert hatte. Ich hatte wieder einen Job und konnte mir bessere Stoffe leisten. Dass unsere Nähskills inzwischen auch besser geworden sind, hat natürlich auch geholfen. Da die CoMs für mich mit dem Hospital in Stress ausgeartet waren (vor allem wegen dem Aufbau, dem Schichtdienst im Hospital, etc.), habe ich entschieden was Neues zu probieren. So ging es 2010 auch das erste Mal mit Askir zum Drachenfest, 2011 dann nach Weltenwacht und wieder zum Drachenfest. Wobei meine Motivation nach dem DF 2011 nur gering war wieder zu kommen, denn trotz einige epischer Momente (wie dem Spalier für den Blauen Avatar vor dem Tor) hatte ich das Gefühl, dass die großen Crews Alles unter sich aufgeteilt hatten und man keine Chance hatte ins Spiel zu kommen.

    Ich habe mich dennoch wieder angemeldet, aber Leben ist oft das, was passiert, während man andere Pläne macht. 2012 habe ich fast alle Larps abgesagt, denn im Job war (auch auf Grund von nicht existentiem Zeitmanagement) so viel los, dass ich fast jedes Wochenende im Büro verbrachte. Ich war auch kopfologisch gar nicht mehr in der Lage mich aufs Larp einzulassen, was dann auch im November 2012 in einem Burnout gipfelte. Erst während meines Klinikaufenthaltes habe ich langsam wieder begonnen Lust auf Larp zu verspüren, so dass ich 2013 wieder auf einige Cons ging. Aber alles kleine Cons, bei denen ich die Orga und viele Spieler oft schon seit Jahren kannte. Einfach langsam im „Save Space“ wieder anfangen, umgeben von Freunden. Diesen Einschnitt in meinem OT-Leben hat sich auch in Askirs Entwicklung abgebildet, denn im Laufe des Jahres gründete Askir (aufbauend auf seinen in den letzten Jahren erspielten Besitz und Beziehungen) eine HandelsCompagnie und mit einem dafür erforderlichen Schiff kam langsam auch sein Seefahreraspekt wieder zum tragen.

    Askir – zu dem Zeitpunkt übrigens immer noch ohne Nachnamen – wurde ergo ein Händler, was sich auch in der neuen Kleidung (06) niederschlug. In der Phase, mich aus meinem Loch heraus zu arbeiten, bot mir Askir als Händler einfach auch die Möglichkeit eines entspannten Spiels, was ich damals einfach gebraucht habe. Alltagssorgen hatte ich genug, da musste ich mich nicht im Spiel noch damit abmühen, woher der Charakter jetzt Geld bekommt und solche Dinge. 2014 ging es dann auch wieder zum „Zeit der Legenden“, wo ich den Untergang von Weltenwacht miterleben durfte und grandiose Szenen mit „meinen“ Nebelstädtern hatte, und zum Drachenfest, wo ich eher zufällig einen Diplomatenposten übernahm. Das war auf jeden Fall eine der großen IT-Wendungen im Leben meines Charakters.

    Es war wieder Zeit für eine Änderung in der Kleidung. Ein Grund war, dass sich Askir jetzt stärker mit dem Blauen Lager identifizierte und auch der Seefahrer-Aspekt endlich stärker zum tragen kam und damit Blau als Farbe opportun erschien. Aber besonders für neue Westen gab es vor Allem einen anderen Grund: Ich gehöre zu den Menschen, die der Ansicht sind, dass Temperaturen über 24°C totaler Quatsch sind und echt Niemand braucht. Perfektes Larpwetter sind für mich 21°C, leicht bewölkt, trocken und leichter Wind. Dementsprechend schwitze ich auch ungern und schnell. Unter diesen Umständen waren Westen aus Wolle gerade für Sommerveranstaltungen wie dem Drachenfest nicht die beste Wahl – um es verhalten auszudrücken. Da musste ich unbedingt Abhilfe schaffen. Warum ich dann aber für die blaue Kleidung (07) den Schultermantel wieder aus Wolle gemacht habe erschließt sich mir im Rückblick irgendwie nicht. Seit 2015 gibt es ergo Askir in Blau.

    2016 war irgendwie wieder so ein Jahr des Stillstandes. Nur sehr wenige Cons besucht, mit Askir war ich nur auf dem Drachenfest. Geschuldet war das auch hier wieder einem OT-Grund: meinem zweiten Burnout im Februar des Jahres. Danach hatte ich logischerweise erstmal genug im realen Leben zu tun. Doch 2017 ging es wieder bergauf, was sich auch in der Anzahl der besuchten Larp-Veranstaltungen (elf Cons) als auch meiner Aktivitäten für Askir wiederspiegelte. Schon beim DF2011 habe ich im Blauen Lager Jemanden mit einem Stehkragen gesehen und mir gesagt: Sowas will ich auch. Jetzt war die Zeit gekommen und Askir bekam seine Westen mit Stehkragen (08). Wobei einem natürlich Niemand sagt, dass sich gerade bei hohen Temperaturen zwischen Kragen und Nacken eine eigene Klimazone bildet – so stelle ich mir Death Valley vor. Im Sommer veröffentlichte ich das „Kompendium der Seemannschaft“ und auf dem Drachenfest übernahm ich den Posten des Hochdiplomaten des Blauen Lagers.

    Abseits vom Drachenfest und dem Blauen Lager war Askir jedoch auch bisher ein Tavernencharakter geblieben und war an Plots faktisch nicht beteiligt. Auch wenn ich gerne in der Taverne gemütlich meinen Portwein trinke habe ich gemerkt, dass mir das nicht mehr ausreicht. Dass ich auch auf anderen Cons als dem DF wieder aktiv sein möchte. Mehr Action bitte. Aus diesem OT-Wunsch gab es die nächsten Veränderungen. So ist Askir seit Ende 2017 kein Einzelgänger mehr, sondern hat mit seinem Schiff, der „Kraken“ natürlich jetzt auch eine Crew. Damit sitzt er seit 2018, jetzt endlich auch mit einem Seefahrermantel (09), im Blauen Lager am Captains Table, dessen Sprecher er dann 2019 wurde. Doch diese Transformation ist ein Prozess, der aktuell noch andauert. Auch, weil es sich bei Cons abseits des DF-Hintergrundes bzw. der DF-Blase als schwieriger herausstellt, als ich gedacht habe (und vermutlich einen weiteren Blogbeitrag wert ist). Aber ich habe einfach OT Lust auf neue Dinge und die werde ich, wenn es wieder möglich ist, mit Askir umsetzen.

    Ich bin gespannt, wohin mich mein Weg noch führt – und damit auch welchen Kurs Askir in den nächsten Jahren steuern wird*.

    Während ich diesen Text geschrieben habe ist mir, auch weil ich mal die Entwicklung des Charakters (immer wieder sichtbar an der Veränderung seiner Kleidung) in zeitlichem Bezug zu meinem realen Leben gesetzt habe, aufgefallen, wie stark meine eigenen Lebensverhältnisse und mein Seelenleben doch immer wieder Einfluss auf „mein Larp“ und meinen Charakter genommen haben und ganz sicher weiterhin nehmen werden. Dieses Spotllight ist damit nicht nur rein auf den Charakter gerichtet, sondern auch irgendwie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Aye, es hat auch was von einem Seelenstriptease. Interessant und erschreckend zugleich.

    Das Bild in größerer Auflösung findest Du hier: http://www.swashbuckler.style/wp-content/uploads/2018/05/2020-12-30_Askir_Zeitenwandel_2008-2019-scaled.jpg

    Mehr Fotos von Askirs Entwicklung findet sich zudem hier: http://www.swashbuckler.style/die-kraken/der-unvergleichliche-askir/

    *Am nächsten Kleidungs-Update konzeptiere ich ja auch schon: hier.

  • Was zu Fantasy-Larp gehört und wo sich zeitlich und technisch die Grenzen ziehen lassen ist nicht einheitlich geregelt und letztendlich subjektives Empfinden. Die Crew der „Kraken“ nutzt Schwarzpulverwaffen, was für viele, eher am Mittelalterklischee orientierte Spieler und Charaktere schon eine gefühlt zu moderne Technik ist. Mein Faible gilt bekannterweise der (historischen) Seefahrt und ihrem Flair – und dann kommen plötzlich Konzepte angesegelt oder angeflogen, mit denen ich meine Schwierigkeiten habe.

    Dass es leider Seefahrer-Charaktere gibt, die Lee und Luv nicht auseinanderhalten können und glauben, dass ein größeres Schiff jedem kleineren Schiff automatisch an Schnelligkeit und anderen Attributen überlegen ist – geschenkt. Da habe ich mit dem „Kompendium der Seemannschaft“ schon versucht ein IT-Nachschlagewerk zu erschaffen, damit man sich die entsprechenden Grundlagen (orientiert an den historischen Tatsachen) nicht überall zusammen suchen und einfach anlesen kann.

    Aber schon als ich vor fünfzehn Jahren mit meiner ersten Crew, der „Wogentänzerin“ und dann der „Morgenstern“, unterwegs war, erschienen immer wieder Schiffe, die Magier oder Priester an Bord hatten, die Wetter und Wind machen konnten, oder die aus lebendem Holz bestanden und von selber nachwuchsen sowie sich Lecks von selbst schlossen. Das gibt es immer noch, wobei in den letzten Jahren noch Luftschiffe hinzugekommen sind. Uff.

    Erstmal verstehe ich nicht ganz, warum es im Meta-Hintergrund immer das ganz Besondere und Außergewöhnliche sein muss, das mir im Spiel dann zum Beispiel durch Größe, Bewaffnung und besondere Technik einen (vermeintlichen) Vorteil verschafft? Wie die Piratencrew mit dem Linienschiff, die Schaluppe mit 45er-Pfund-Kanonen oder eben fliegende Schiffe. Meta-Hintergründe, besonders wenn sie schön ausgearbeitet sind, stellen eine Grundlage für das Spiel und seine IT-Logik dar – damit das Besondere und Außergewöhnliche dann im Spiel passieren kann.

    Für mein Empfinden entstammen Luftschiffe dem Steampunk-Hintergrund, was aus gutem Grund eine eigenes Larp-Genre ist, und passen nicht ins Fantasy-Larp. Zudem gibt es für mich bei ihnen immer eine gewaltige Lücke in der IT-Logik. Ein klassische Seefahrer wird vielleicht gefragt, warum er an Land unterwegs ist (Landgang, private oder geschäftliche Gründe) – aber er wird aus klar ersichtlichen Gründen nie gefragt, warum er sein Schiff nicht dabei hat. Der Kapitän und die Crew eines Luftschiffes, das ja nicht an Wasser gebunden ist, hat es hinsichtlich IT-Logik und Darstellbarkeit schwerer. Und wenn sie das Schiff in der Nähe haben, dann kann sich sogar die Frage stellen, warum sie in Endschlachten nicht einfach einen Bombenteppich auf die Feinde regnen lassen.

    Wenn wir an Salzbuckler und Piraten, alte Seefahrer in Literatur und Film, an Hornblower und Aubrey denken, dann sind dies in unserer Erinnerung Männer, die ein hartes Leben führen, sich ständig den Elementen des Windes und des Meeres erwehren müssen, schöne Momente unter vollen Segeln und einem klaren Sternenhimmel wechseln sich mit den Härten in einem Sturm oder gar einer Havarie ab. Das ist das Leben, das einen besonderen Menschenschlag erschaffen hat, den wir als Seefahrerspieler ja irgendwie in unserem Spiel darstellen und zum Leben erwecken wollen.

    Aber wenn gerade diese Härte im Kampf gegen die launenhafte See und ihrer Gefahren den Alltag bestimmte – wie passt dazu dann der Bordmagier, der das Wetter bestimmen, die See beruhigen und den Wind rufen kann? Kein Sturm mehr, keine Monsterwellen und keine Flaute – das ist keine Seefahrt, sondern eine Kreuzfahrt.

    Und bei einer Kreuzfahrt kommen keine gestandenen, rauhen Salzbuckler heraus, sondern Schönwettersegler. In der klassischen Seefahrt findet man die Toppgasten, die selbst bei heftigem Wind auf den Fußpferden balancieren und die Sturmsegel anschlagen, während man bei der Kreuzfahrt über das Deck flaniert. Die einen wissen, wie man mit Warpankern und Muskelkraft gegen die Gefahren einer Leeküste ankämpft, während die Kreuzfahrer beim Teekränzchen das schöne Land bewundern.

    Ich weiß nicht, welche Art von Seefahrer ihr bespielen wollt, aber auf der „Kraken“ wird in der Flaute auch mal das Wasser rationiert und die letzte Ratte geschlachtet, die Lenzpumpen werden manchmal Wache um Wache bedient und wenn im Sturm eine Stenge über Bord geht, dann wird sie (auch wenn sich noch Matrosen daran fest klammern) gekappt. Wer den Film „Master & Commander“ gesehen hat weiß, wovon ich rede.

    Für mich gehört zum Spiel eines Salzbucklers, dem damit verbundenen Flair und der Atmosphäre die klassische, großteils historische und damit gefährliche Seefahrt einfach dazu, sind sogar zum Verständnis von Seefahrern und ihrem Lebensstil existentiell.

    Daher habe ich mit den Konzepten von Schönwetterseglern und besonders Luftschiffen im Spiel meine Probleme, weil ich einfach meist nicht weiß, wie ich damit umgehen und IT adäquat darauf reagieren soll. Wie siehst Du das und wie gehst Du damit um?

  • Dieses Hashtag kommt in den letzten Tagen immer häufiger in meiner Timeline vor und ist eine Aufforderung, sich mit dem Thema sexueller Belästigung auseinander zu setzen. Es aus der verschämten Kammer ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren.

    Ein Freund hat das in seinem Beitrag auch aufs Larp bezogen, was mich nachdenklich gemacht hat. Denn Larp unterscheidet sich auch in seiner Körperlichkeit zuweilen stark von dem, was in unserer alltäglichen Gesellschaft als Konsens gilt.

    Es kommt recht häufig vor, dass Larper ohne vorherige Absprache (sondern „im Spiel“) auf dem Schoß eines Anderen/einer Anderen sitzen, anfangen zu kuscheln, sich zu kraulen oder zu massieren. Auch die unter Larpern vorherrschende Begrüßung und Verabschiedung durch Umarmen beider Geschlechter ist ja Nichts, was so in Deutschland üblich ist.

    Vor einigen Jahren setzte sich Jemand hinter mich und begann mich zu kraulen und zu massieren, was mir unangenehm war. Aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf das Spiel habe ich es damals geschehen lassen.

    Auch schon etwas her ist, als ich mich mit Umarmung von Jemanden verabschieden wollte und Sie das abblockte und mir „nur“ die Hand gab. Ich war perplex und im ersten Moment fühlte ich mich (dämlicherweise) beleidigt.

    Es ist ein interessantes Phänomen, dass im Larp ein anderer Umgang mit Körperlichkeit vorausgesetzt wird, als im normalen Alltag. Erst wollte ich „als im realen Leben“ schreiben, aber das ist Blödsinn, denn wir haben es immer mit realen Personen zu tun. Mit Menschen, die auf Grund ihrer Erfahrungen und Prägungen unterschiedliche Grenzen haben.

    Gerade weil im Larp scheinbar diese im Vergleich zum außerhalb der Larp-Szene stärkere Körperlichkeit im gegenseitigen Umgang gegeben ist, sind wir als Larper besonders gefordert. Nicht nur mit unserer Empathie, sondern auch mit klaren Worten.

    Einfach Jemanden den Nacken zu kraulen oder ungefragt Jemanden zu massieren ist, wenn man es mal objektiv betrachtet, auch im Larp nicht okay oder akzeptabel. Denn auch im Spiel kann man erst fragen, ob der Andere das möchte, anstatt ihn oder sie in eine unangenehme, sogar als übergriffig empfundene Situation zu zwingen. Eine Situation, die dann der oder die Betroffene zuweilen über sich ergehen lässt, um das Spiel nicht zu stören.

    Etwas, über das wir uns (und da packe ich mir durchaus auch an die eigene Nase) vielleicht öfter bewusst sein sollten …


    Btw.: Wenn ich durch in den Arm nehmen oder so übergriffig geworden sein sollte, dann tut es mir leid. Dass ich es nie in böser Absicht getan habe macht es weder ungeschehen noch besser, aber in dem Fall: Sagt es mir bitte.

  • Wow! Ich freue mich über soviel Feedback auf meinen letzten Blogbeitrag. Sowohl in den Kommentaren auf diesem Blog als auch bei Facebook auf meiner Larp-Seite, (verdammt viele Äußerungen) bei meiner Frau und letztendlich bei mir. Vielen Dank, denn jede Meinung hilft mir weiter. 🙂

    Daher werde ich jetzt schon mal einige Punkte heraus greifen, die mir in der Diskussion aufgefallen sind. Punkte, die ich vielleicht etwas gerade rücken muss, indem ich etwas mehr über den Charakter erläutere – aber auch schon darüber hinaus gehende, weiterführende Gedanken und Ansätze. Schließlich soll für mich ja auch am Ende ein Ergebnis über eine schlüssige und gute Darstellung meines Reichsritters Mathras von Orktrutz bei seinem „Comeback“ außerhalb seines Heimatlandes Dorlónien stehen. Daher freue ich mich auch weiterhin über Deine Meinung, Tipps und Ratschläge.

    Erstmal musste ich feststellen, dass meine Aussage mit dem gemeinsamen Trinken mit den Soldaten schlecht formuliert war und in der Diskussion öfter darauf Bezug genommen wurde, als der Punkt meines Erachtens eigentlich verdient. Gemeint war, dass er sich nicht zu schade ist auch gemeinsam mit den Soldaten am Tisch (bzw. am Lagerfeuer) zu sitzen und zu reden – aber dem Einwand von Gregor, dass er an der besagten Tafel einen besondern Platz haben sollte oder Anderes, was ihn hervor hebt, stimme ich zu. Wobei der Umgang in dieser Runde und damit der Eindruck über die Stellung des Ritters natürlich auch immer ein entsprechendes Zusammenspiel innerhalb der Gruppe bedingt, denn letztendlich macht auch das Gefolge den Ritter.

    Gleichwohl zeigt die Reaktion auf diesen einen, für mich eigentlich eher als nebensächlich bewerteten Satz, dass es ein Bild herauf beschwört, dass offensichtlich nicht so selten ist. Die Larper, die wie gewöhnliche Mietlinge aussehen, sich auch so benehmen und nur kämpfen und saufen – aber einen Ritter darstellen, der als solcher behandelt werden will. Ich kann diesbezüglich Alle beruhigen: So bin ich (und Mathras) nicht, so habe ich den Charakter nie gespielt und habe es auch nicht vor. Da mögen mich die (dorlónischen) Götter vor bewahren.

    Da aber einige Kommentatoren mich nicht mit dem Charakter (und teilweise auch nicht mit anderen Charakteren bzw. OT) kennen und Niemand in meinen Kopf schauen kann ist klar, dass es dann zu Irritationen kommt. Zumal wenn ich nur Dinge aufzähle, was ich an Ritterklischeespiel nicht leisten will, aber Nichts nenne, was mich als Ritter dann auszeichnet. Das ist mir erst beim Kommentar von Nria richtig klar geworden:

    Ich lese im Text nur „Ich möchte diese ritterliche Eigenschaft nicht haben, ich will jene ritterlichen Pflichten nicht erfüllen.“ Begründungen lassen sich für jeden Unfug zusammenzimmern, machen aber ein Charakterkonzept nicht besser. Was genau macht deinen Charakter denn im Spiel (NICHT: Hintergrund!) zum Ritter? Durch welche Spielelemente können deine Mitspieler erkennen, dass du ein Ritter bist und nicht irgendein Soldat?

    Eigentlich habe ich selbst früher – also meine Ausstattung weit unter meinen selbst damaligen Ansprüchen lag – nie Probleme gehabt als Ritter wahrgenommen und behandelt zu werden. Selbst auf Cons wie dem Merseberg 1, auf dem ich extra den Ritter (mit dessen Ausstattung ich nicht zufrieden war) nicht an die große Glocke gehangen habe und trotzdem Kraft Titel innerhalb kürzester Zeit plötzlich Lagerkommandant war. Doch Larp ist in einem ständigen Wandel und einem Prozess der Weiterentwickung und was damals en vogue war muss heute nicht mehr akzeptierter und verbreiteter Standard sein.

    Die im vorherigen Beitrag aufgeführten Beispiele sind dazu gedacht die Differenzen zwischen dem empfundenen Standard und vermeintlichen Konsens auf der einen Seite und dem auf Hintergrund basierenden Verhalten und der Einstellung meines Charakters heraus zu stellen. Es gibt meiner Ansicht nach durchaus einen Unterschied zwischen „diese ritterliche Eigenschaft will ich nicht haben“ und „diese (ritterlichen) Eigenschaften passen nicht zum Hintergrund“. Doch durch die Kommentare ist mir bewusst geworden, dass ich diesen „Mangel“ in der Ritterdarstellung irgendwie anders ausgleichen muss, damit der Ritter weiterhin im Spiel ersichtlich bleibt.

    Oder auch: Warum genau spielst du einen Ritter? Nur, um dich „Ritter“ nennen zu können?

    Eine Frage, die einfach zu beantworten ist: Weil Mathras mein ältester und damit auch ein liebgewonnener Hauptcharakter ist. Und der ist nun mal Ritter (geworden). Nicht von Charaktererstellung an, aber es hat sich Intime so entwickelt und – auch für mich OT überraschend – wurde ich dann zum Ritter geschlagen. Seit damals(TM) – 2004 – hat sich aber viel getan, was den Anspruch an die Darstellung angeht. Sowohl im Larp auch auch bei mir selber. Gleichwohl gibt es aber immer wieder Stimmen (sowohl innerhalb als auch außerhalb von Dorlónien), die sich ein verstärktes Auftauchen von Mathras wünschen würden. Das sind die Gründe, warum ich mir derzeit Gedanken um die Darstellung von Reichsritter Mathras von Orktrutz mache.

    Entsprechend haben doch irgendwie alle einen Schwerpunkt im Idealbild eines Ritters gewählt. So wie ich deinen Beitrag oben lese hast du das mit Mathras gemacht. Das Militärspiel und der Schutz der Schwachen.

    Danke Steffen. So banal die Feststellung war, war es für mich so der erste Fingerzeig um zu definieren, wofür Mathras eigentlich steht. Ein Gedanken, den ich – auch auf Basis von Ulis Worten – weiter verfolgt habt und derzeit weiter verfolge.

    Als früherer Soldat hatte sich Mathras schon vor seiner längeren Pause zu Jemandem entwickelt, der Truppen kommandiert und motiviert sowie in den Kampf führt. Wie auf dem „Zwielicht 1“ im Winter 2014. Der Schutz der Schwachen ist – wie auch der stete Kampf gegen das Zwielicht – eine der Aufgaben, denen er sich verschrieben hat. So trägt er in seiner Mark schließlich auch die Verantwortung für den Schutz seines Volkes bzw. der Siedler in den Wehrdörfern vor den Orken.

    Mathras ist auch schon oft IT als Koordinator tätig gewesen. Schon vor seinem Ritterschlag hat er als Leutnant auf Cons den „Kriegsrat“ einberufen und Aufgaben verteilt. Das liegt sicher auch daran, dass ich ein Fan von kooperativem Spiel bin und die Verantwortung als Ritterspieler für Andere (auch außerhalb der eigenen Gruppe) Spiel zu generieren durchaus anerkenne. Spielergruppen, die sich abschotten und den Plot für sich horten, entsprechen nicht meinem Spielstil. Darüber hinaus kann Mathras auch als Vermittler agieren und als Diplomat Leute zusammen bringen. Er hat als Dorlónier keine große Erfahrung in höfischen Etiketten, aber auf Grund seiner Reisen wird er wohl nicht mehr in jedes Fettnäpfchen rein rennen.

    Ob das reicht, um auch ohne Minnedienst, Tanzbällen, Turnierteilnahmen und formvollendeten höfischen Etiketten einen Ritter darzustellen – das ist die zentrale Frage meiner diesbezüglichen Beiträge. Wobei die Darstellung ja nicht nur das (ritterliche) Benehmen beinhaltet, sondern auch Kleidung und Ausstattung von Charakter und seinem Lager. Was ist ein „Must“, was ein „No-Go“ – und was ist „nice to have“ oder bietet sogar interessante Möglichkeiten mal was außerhalb der gefühlten (!) Norm zu machen? Fragen, die ich gerne weitergebe und mich über Deine Meinung freue …

    2016-10-27_mathras_wandel_1

  • Wenn ich mir die Fotos von Rittern und ihrem Gefolge bei den (gefühlt immer mehr werdenden) Turnier- und Hofhaltungscons anschaue, dann bleibt mir oft der Mund offen stehen. Die Ausstattung, die Kleidung – Wow! So zum Beispiel jetzt ganz aktuell auf den Fotos von einem Con am letzten Wochenende, auf dem auch meine Frau unterwegs war. Fotos, die man hier findet. Fotos von Rittergruppen, die zu einem großen Teil schon pornös sind. Und die gerade deshalb einen Standard und einen Anspruch für die aktuelle Darstellung von Rittern und Adel im Larp postulieren.

    Unabhängig davon, wie man den daraus resultierenden Anspruch an die Darstellung von Adel im Larp selber bewertet, so ist er doch existent und hat durch die in den vergangenen Jahren immer aufwendigere Ausstattung die Latte immer höher gelegt. Das bedeutet auch, dass man sich an diesem Standard messen lassen muss. Dass man daran gemessen wird – ob man das möchte oder nicht. Wer nicht in der Lage oder Willens ist diesem Anspruch und diesem Standard gerecht zu werden und trotzdem einen Adligen spielen möchte, der muss unweigerlich damit rechnen, dass er nicht als Adliger erkannt und angespielt wird. Sicher kann man auch heute noch einen Ritter in Lederhose und Schnürhemd spielen, doch wird man damit leben müssen, sich gar nicht oder nur schwer gegen andere Adelsspieler durchsetzen zu können.

    Man mag es als ungerecht empfinden, doch ich begrüße jede Entwicklung, die den Gesamteindruck des Spielumfeldes verbessert und damit auch die Immersion in die Larp-Welt fördert. Dazu gehört (besonders bei mir als visuellen Menschen) die entsprechende Kulisse, die auch von der Kleidung und der Ausstattung der Charaktere meiner Mitspieler und der NSCs geprägt wird. Dabei ist klar, dass Adlige als besondere Charakter einer doch meist als Lehnswesen organisierten Welt eine besondere Stellung haben, die sich auch in der Darstellung Ausdruck verleihen muss. Das betrifft sowohl die Ausstattung, als auch die besondere Verantwortung gegenüber Mitspielern (im Besonderen der eigenen Gruppe) und die Art der Darstellung.

    Nicht nur bei der Kleidung und Lagerausstattung hat sich der Anspruch meinem Empfinden nach geändert, sondern auch in der rollenspielerischen Darstellung. So sind die ritterlichen Tugenden, das höfische Benehmen, die ehrenhaften Turniere mit Tanzbällen und die Minne in der Ritterdarstellung in den letzten zehn Jahren zunehmend wichtiger geworden. Damit eine Ritterlichkeit, die meiner Einschätzung nach in ihrer Ausgestaltung vornehmlich auf dem Spätmittelalter und seiner Verklärung in der Romantik fußt. Der Ritter als strahlende Heldenfigur und Sinnbild einer ganzen Epoche.

    Als mein Mathras 2004 seinen Ritterschlag erhielt war der Standard – zumindest in meinem Larpumfeld -, was die Darstellung eines Ritters anging, ohne sonderliche Anforderungen. So habe ich ihn, auch auf Grund von finanziellen Engpässen, einige Jahre gespielt. Erst 2007 erhielt er – zum Portfest in Yddland – eine neue Kleidung, was auch die ersten Selbstnähversuche in unserem Haushalt darstellten. Doch schon damals habe ich auf verschiedenen Cons, die auch außerhalb des eigentlichen Larpumfeldes lagen, und im Internet andere Ritter mit ihrem Gefolge gesehen, deren Standard höher als das war, was ich damals realisieren konnte.

    Dass ich Mathras mehrere Jahre nicht mehr gespielt habe, hing auch stark damit zusammen, dass ich nicht in der Lage war (und bin) einen Ritter zu verkörpern, wenn ich mich auf Grund meiner Kleidung und Ausstattung nicht als Ritter fühlen kann. Nie haben mich andere Ritter deswegen geschnitten oder nicht mit mir gespielt, oft haben sich sogar größere Kontingente auf einem Con meinem Befehl unterstellt (nur weil ich Ritter war) – aber meinem eigenen Anspruch an die Darstellung konnte ich nicht mehr genügen. Daher habe ich im Herbst 2008 Mathras eingemottet. Bis er 2013 mit neuer Kleidung seine Auferstehung hatte, wenngleich ich bis auf eine Ausnahme seitdem nur auf dorlónischen Cons war.

    2016-10-26_mathras_wandel_0

    Die ganze Zeit, bis eigentlich vor wenigen Wochen, war die oben beschriebene bzw. angedeutete Darstellung, Kleidung und Ausrüstung der Larp-Ritter bzw. ihr Standard und der damit einhergehende Anspruch das Ziel, das ich erfüllen wollte. Eine Art Idealbild, das ich immer erreichen wollte, aber nie erreicht habe. Dazu zählte auch, dass ich mich nicht nur grob an eine historische Epoche (in meinem Fall das Hochmittelalter) orientierte, sondern bestrebt war diese mit Kleidung und Ausstattung möglichst 1:1 zu übernehmen. Ich fing an über ritterliche Tugenden nachzudenken und habe sogar mal angefangen ein entsprechendes Schriftstück zur Gründung eines entsprechenden Rittersbundes zu schreiben (was man halt so macht, wenn man eine fixe Idee, zuviel Begeisterung und doch irgendwie zuviel Zeit hat).

    Ich glaube, dass man bei meinem Beitrag „Ritter auf Reisen“ schon langsam gemerkt hat, dass ich von diesem Idealbild der Ritterdarstellung gerade abrücke. Schritt für Schritt, aber stetig. In besagtem Beitrag habe ich mich gefragt, ob der Standard von Adelsgruppen bei der Lagerausstattung auch mein Standard sein muss. Ob ich den Aufwand OT treiben möchte (als Burnoutler sollte man sich solche Fragen durchaus auch stellen) und ob er wirklich sein muss. Aber auch, ob er Intime wirklich schlüssig ist und zwingend für eine schöne Spielatmosphäre erforderlich ist – oder diese sogar behindern kann (wie gefühlt beim Chaos 8).

    Indessen hat sich meine Fragestellung zur Lagerausstattung ausgeweitet auf die gesamte Darstellung als Ritter. Auch auf seine Kleidung, seine Ideale und Tugenden. Dabei treibt mich die Frage um, wie weit ich von den oben beschriebenen und zumindest gefühlt postulierten Ansprüchen und Standards der Adligen- bzw. Ritterdarstellung im Larp abweichen kann, ohne im schlimmsten Fall nicht mehr als Ritter wahrgenommen zu werden.

    Der Grund liegt dabei in dem Charakter und seiner Geschichte, aber auch in seiner Herkunft – von Geburt als auch vom Reich Dorlónien. Denn viele Sachen in der Darstellung, die ich oben noch im Bereich des (zumindest gefühlten) Standards genannt habe, passen einfach nicht zur Person als auch nicht zu seinem Hintergrund.

    Er ist nicht von adliger Geburt. Sein Vater war Rüstungsschmied. Er hat als Waldläufer in einem Krieg gekämpft, bevor er auf Reisen ging. Dann war er Söldner, bevor er die Dorlónier traf und Leutnant in der Armee wurde. Auch nach seinem Ritterschlag ist er in vielen Dingen in erster Linie ein Soldat geblieben. Dazu kommt, dass Dorlónien ein raues Land ist, dessen Menschen im ständigen Kampf wider das Zwielicht gar keine Zeit haben sich mit höfischen Etiketten aufzuhalten. Auch die meisten Ritter nicht. Besonders nicht der Ritter, dessen Mark Kriegsgebiet ist.

    Warum sollte Mathras einer Frau Honig um den Mund schmieren, wenn man sie eh nie bekommen kann. Damit fällt der Minnedienst weg. In seiner Mark im ständigen Kampf gegen Orks – warum sollte man dann noch zum „Vergnügen“ mit der Waffe in den Ring steigen, anstatt die freie Zeit zu genießen. Auch wenn er weiß, dass er als Ritter einen besonderen Stand hat, kann er bis tief in die Nacht mit den einfachen Soldaten trinken. Aus Erfahrung vertritt er die Ansicht, dass man Kämpfe durch Siege gewinnt und nicht durch Ehre (Ehre ist eine tolle Sache, aber im Kampf selbst zählt der Sieg). Anders gesagt: Mathras ist ein Ritter, der mit den im Larp oft anzutreffenden ritterlichen Tugenden eigentlich wenig im Sinn hat.

    Sicherlich gibt es Ritter, die den derzeitigen Standards nicht entsprechen. Dazu zählen sicher auch Einige, die diese Standards gar nicht wahrnehmen und/oder denen es egal ist, ob sie (von Dritten als auch von den eigenen Leuten) als Ritter wahr oder ernst genommen werden. Es wird aber sicher auch gute Ausnahmen geben. Und das ist auf dem Weg, den ich gerade in der Überlegung meiner Ritterdarstellung, mein Ziel. Eine gute Ausnahme zu sein.

    Aber es bleibt die Skepsis, was geht und was gar nicht geht. Was ist die Kür und was ist die Pflicht in der Ritterdarstellung? Und dazu würde ich mich über Deine Meinung (gerne hier unter dem Beitrag in den Kommentaren) freuen. 😉


    Weiterführende Links:

  • Ein Ritter geht auf Reisen und packt ein …

    Früher hatte ich ein paar Dorlónier dabei, ein Zelt, meinen Stuhl und Kleidung sowie Ausrüstung. Und damit zog man in fremde Länder, um dort für das Gute zu streiten. Aber geht das heute noch?

    Die Zeiten, in denen man als Ritter noch alleine gereist ist, sind sicher vorbei, aber wie groß muss das mitreisende „Gefolge“ sein? Was für ein Aufwand muss getrieben werden? Reicht bei einem Ritter auf Reisen leichtes Gepäck oder muss es (übertrieben gesagt) ein Zweimastzelt mit herrschaftlicher Tafel auf einem Abenteurer-Zeltcon sein?

    Was denkst Du, was die Minimalausstattung eines Ritters auf einem Abenteurer-Zeltcon sein sollte? Und wie viel „Gefolge“ sollte er mindestens dabei haben?

    Diese Frage habe ich gestern auf meiner Facebookseite gestellt, denn wenn ich wieder öfter Mathras spiele muss ich mir auch Gedanken machen, wie ich seinen Rang als Ritter darstellen möchte. Auch durch meine vielen Besuche im Silbernen Lager auf dem Drachenfest mit seinen großen und eindrucksvollen Rittergruppen habe ich ein Bild vom derzeitigen Standard bekommen. Ich denke da zum Beispiel an die Eichentempler (mit denen meine Frau reist) und die Yddländer.

    Da die Kommentatoren auf Facebook sich recht einig waren versuche ich das Resultat kurz zusammen zu fassen (und korrigiert mich ruhig, wenn ich etwas falsch verstanden habe): Abhängig vom Hintergrund ist ein fahrender Ritter bzw. „Heckenritter“ auch mit geringer Ausstattung und lediglich ein oder zwei Personen Gefolge spielbar (läuft aber Gefahr nicht ernst genommen zu werden), während ein Ritter mit Lehen (und damit Land und mehr Geld) nicht nur ein größeres Gefolge haben sollte, sondern auch mindestens eine Möglichkeit Gäste zu bewirten. Im kleinsten Fall ein Zelt, in dem neben einem Bett auch Tisch und Stühle stehen. Optimalerweise aber eine Tafel mit Sitzgelegenheiten unter Sonnensegel und Pavillion für die eigenen Leute und für Gäste.

    Das ist auch das, an das ich erstmal denke, wenn ich dem heutigen Anspruch an Ritterlager gerecht werden will. Und da ich mit Mathras ja ernst genommen werden möchte, ist das der erste Impuls.

    Aber fangen wir mit dem ersten Punkt an: Einen allein reisenden Ritter würde ich nicht mehr spielen und ich glaube, dass ich das auch seit dem Ritterschlag von Mathras nicht mehr gemacht habe. Je nach Zusammensetzung und Hintergrund reichen mir aber 4-5 Personen (inkl. Ritter), wobei das weniger dienende als unterstützende Gefolgsleute wären. Ein dorlónischer Ritter bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn er sich selber eine neue Flasche Orktrutzer Beerenwein holt – vor allem nicht, wenn er dafür einen fähigen Waffenarm mehr in der Schlacht neben sich weiß.

    Wie die Zusammensetzung und Größe einer Lanze eines zum Krieg gerufenen Ritters im frühen und hohen Mittelalter ausgesehen hat habe ich mal auf eine gute Grafik gesehen (das ich natürlich jetzt gerade nicht finde): Es war der Ritter, ein Knappe, zwei Schützen (Armbrust oder Bogen), zwei Waffenknechte (die zu Fuß stritten) und ein Knecht. Alle waren beritten, während der Knappe das Streitross des Ritters am Zügel hinter sich her führte (damit es im Kampf ausgeruht war trug es weder Reiter noch Gepäck) und der Knecht ein Packpferd zusätzlich dabei hatte. Eine kleine, schlagkräftige Einheit, die auf Effizienz im Krieg und Kampf ausgelegt war.

    Die Dorlónier sind ein hartes und zuweilen derbes Volk aus dem Norden der bekannten Welt, deren Land fast die Hälfte des Jahres von Eis bedeckt ist. Ständig stehen sie im Kampf gegen die Mächte des Zwielichts, besonders in der Rittermark Orktrutz, die abgeschnitten vom Reich von Feinden umgeben ist. Klar, dass man von dort nicht mit einer großen Streitmacht auf eine Reise geht, sondern mit einer kleinen, aber schlagkräftigen Einheit. Berufe wie ein Mundschenk oder Page sind hier nicht so gefragt wie ein Frontsoldat. Nicht nur an der Front und den Burgen an den Grenzen des Reiches, sondern besonders auf Reisen. Da ist ein fähiger Waffenarm mehr wert als ein dienender Höfling.

    Die oben schon beschriebene Grafik hat bei mir die Frage aufkommen lassen, wie realistisch es eigentlich ist, dass auf dem besagten Packpferd für alle Mitglieder der Lanze ein feudales Zelt mit kompletter Möblierung und Tafel mit Stühlen sowie Geschirr (inkl. das Geschirr für Gäste), etc. transportiert wurde. Mit Sicherheit wäre das Pferd vom Büttel angehalten und wegen Überschreitung des zulässigen Zuladegewichts aus dem Verkehr gezogen worden. Wenn es überhaupt so lange durchgehalten hätte. Demnach ist der genannte Standard an Ausstattung für Rittergruppen für eine reisende Kampfeinheit an sich logisch nur erklärbar, wenn sich diese Kampfeinheit mit einem Wagen belastet.

    Sicher hatte man Wechselwäsche dabei (die aber sicher nicht die Reinlichkeit und Sauberkeit, die wir heute haben, aufwies) und ganz sicher seine Kampfausstattung (was auch Rüstungsteile einschließt). Verpflegung und Zeug für ein provisorisches Lager. Wappen und Banner, um sich in einem großen Heerlager und in der Schlacht kenntlich zu machen. Aber viel mehr wird es realistisch betrachtet nicht gewesen sein. In diesem Zusammenhang fiel mir dann auch die Darstellung des Lagers eines kreuzfahrenden und damit kämpfenden Ritters auf Reisen im Film „Königreich der Himmel“ ein:

    2016-08-22_ritter_reise_01

    Man saß auf dem Boden oder auf Baumstämmen und größeren Ästen – was mich an das erste Treffen von Mathras mit seiner Lordschaft erinnerte, als wir auf Baumstämmen um ein Lagerfeuer in Moriat herum saßen. Früher war sicher nicht Alles besser, aber auch nicht Alles schlechter, glaube ich. Ich bin weiterhin ein Fan davon, dass man den Ritter als Ritter erkennt und er nicht aussieht wie ein einfacher Soldat oder gar Heckenpenner – aber er muss nicht immer geschniegelt sein, denn sowohl auf der Reise als auch im Kampf macht man sich halt dreckig und man kann nicht in jedem Dorf halt machen, um sich deshalb neue Kleidung nähen zu lassen.

    Das heutige Standardlager von Rittergruppen, aber auch von den meisten anderen größeren Gruppen, ist meiner Erfahrung und subjektiven Meinung nach indessen auch zu einer Festung geworden, in der man sich zurück zieht und unter sich bleibt. Früher war ein Zeltlager ein Lager aus Zelten und man traf sich an den wenigen Feuerstellen oder in der Taverne (wäre das anders gewesen hätte ich die Dorlónier wohl nie kennen gelernt). Indessen haben viele Gruppen (man wird schließlich größer und die Leute werden älter, wobei sie meist auch mehr Geld haben und sich bessere Ausrüstung leisten können) neben ihren Schlafzelten noch Pavillions, eigene Sitzgelegenheiten und feudale Feuerstellen. Aus einem großen Lager werden so viele kleine Lager.

    Eine Entwicklung, die mir besonders auf dem Chaos 8 (Bericht hier) aufgefallen ist, wo diese „Dekadenz“ dazu geführt hat, dass viele Spieler auf einem Abenteurercon mit Aktion um 11 Uhr noch beim Frühstück saßen. Schließlich muss es sich ja lohnen das ganze Zeug zu transportieren und aufzubauen – außerdem ist das Rührei mit Speck noch nicht fertig. Auch ich esse gerne Rührei mit Speck, aber ich fahre auf Con, um was zu erleben und mit anderen Spielern (auch außerhalb meiner eigenen Gruppe) zu agieren – und dafür finde ich die derzeitige Entwicklung mit den vielen Lagern (am Besten noch mit Fähnchen abgetrennt vom Rest) kontraproduktiv.

    Mein erster Impuls war den Standard, den ich bei vielen Rittergruppen sehe, auch machen zu müssen, um anerkannt und ernst genommen zu werden. Ein Grund, warum ich Mathras jetzt über viele Jahre nicht gespielt habe. Auch, weil ich mich immer gefragt habe, ob sich der finanzielle und logistische Aufwand gegenüber dem Spielspaß wirklich lohnt. In den letzten Tagen habe ich jedoch angefangen über diesen Punkt nochmal nachzudenken, woraus meine oben geäußerten Überlegungen mit dem Hang zur Minimierung resultieren.

    Als Anregung und Grundlage für eine Diskussion. Hier unter dem Beitrag in den Kommentaren oder auf Facebook. Ich freue mich darauf Deine Meinung zu hören.