Schlagwort: Utopion

  • Das Epic Empires feiert seinen zehnten Geburtstag und ich bin das erste Mal mit dabei. Als Herold (NSC in meiner SC-Rolle) der feinen und freien Stadt Neu-Ostringen hatte ich auch so viel zu tun und habe in der Stadt so viele Leute getroffen, dass ich (sicher auch bedingt durch das Wetter) nicht raus gekommen bin. Mein Review ist ergo der Rückblick eines EE-Neulings, der fast die ganze Zeit nur in der Stadt war und ergo über die Lager selber wenig bis gar Nix sagen kann.

    Organisation & Spielleitung

    Der Check-In war schnell und unkompliziert. Gut war die Übersichtskarte (vor allem für mich, der das erste Mal auf dem Utopion-Gelände war) und auch die Parkkarte, die man direkt ausfüllen konnte. Die Parkkarte ist auch beim DF üblich, wird aber dort eher von den Spielern selbst organisiert. Der Anhänger mit den Ansteckern war natürlich noch ein schönes Gimmick.

    Kaum in der Stadt angekommen haben wir auch schnell unseren abgeflatterten Lagerplatz zugewiesen bekommen. Einfach, unkompliziert, freundlich. Super. Mit dem Tsa-Tempel habe ich direkt am Markplatz gelagert und damit stand mein Zelt direkt hinter der Bühne. Besonders als Herold eigentlich der optimalste Platz, wenn das Wettkampfoffizium nicht auf Grund des Wetters am Vortag zur Taverne hätte verlegt werden müssen. Aber irgendwas ist ja immer.

    Die Betreuung von mir als NSC mit Informationen im Vorfeld war umfassend, so dass ich grundsätzlich gut informiert auf dem Gelände angekommen bin. Darüber hinaus gab es am Mittwochmittag nochmal eine persönliche Einweisung, bei der ich auch meinen Heroldsbeutel mit Schärpe, Buch und Stift bekommen habe. Die Begrüßung durch die zuständigen SLs waren auch verdammt nett und ich fühlte mich direkt gut aufgehoben.

    Leider gab es während der Veranstaltung einige organisatorische Probleme, die unsere Arbeit als Herold stark behindert haben und sicher auch auf Seiten der Spieler, an die sich unser Spielangebot ja richtet, zu Frust geführt haben. Letztendlich mussten verschiedene Veranstaltungen (Bardenwettstreit, Jahrmarkt am Freitag, etc.) ausfallen oder verschoben werden. Die Details werde ich aber mit der Stadt-Orga direkt klären, denn ich bin sicher, dass man das relativ simpel in den Griff bekommen kann und – wie mir gesagt wurde – diese Probleme in diesem Jahr wohl erstmals so gravierend aufgetreten sind.

    Location & Neu-Ostringen

    Obwohl ich jetzt seit knapp 18 Jahr Larp als Hobby betreibe, war das EE 2018 wie schon erwähnt mein erster Besuch auf dem Utopion-Gelände. Letzendlich habe ich auf Grund meiner „Arbeit“ in der Stadt auch wenig vom Gelände gesehen, bis auf die Autorundfahrt und meinen Spaziergängen zwischen Parkplatz und Stadt. Da ich mich einmal verfahren und einmal fast verlaufen habe kann ich bestätigen: Das Gelände ist ungewohnt groß und für einen Ortsunkundigen am Anfang auch verwirrend. Hier nochmal ein Dank an die Orga für die Übersichtskarte.

    Die Toiletten und Duschen waren meiner Erfahrung nach ausreichend (außer ggf. zu den Stoßzeiten am Morgen, vor allem vor den Männertoiletten, wo man aber auch bei anderen großen Cons in Schlangen organisiert ist). Sie waren auch so sauber, wie man das auf einer solchen Veranstaltung erwarten kann und eher den Nutzern zuschreiben ist. Wieso man Toilettenpapier auf dem Boden verteilen muss wird sich mir nie erschliessen.

    Da kann man schon verstehen, warum die Orga kein Toilettenpapier stellt. Was mich aber stört ist, wenn keine Seife gestellt wird. Denn wenn ich im Spiel irgendwo rumlaufe habe ich halt keine Seife dabei, andererseits bin ich bei den hygienischen Verhältnissen auf Zeltlagern auch immer mal froh mit Seife die Hände zu waschen.

    Da war es sehr erfreulich, dass es Spieler gibt, die scheinbar Seifenspender spenden. Vor allem, dass diese dann noch mit Werbung für die Olivenhändler aus dem Antikenlager (die ich sowohl wegen ihrer Oliven als auch der netten Unterhaltung in der Taverne an dieser Stelle grüßen möchte) oder für die zwölfgöttliche Kirche beklebt waren, war echt nett. Diese Seifen haben auch eine zeitlang gehalten, denn wieder habe ich einige Leute gesehen, die es nach der Toilette so eilig hatten, dass sie nicht die Zeit zum Händewaschen gefunden haben (manche Menschen sind echt eklig).

    Aber zurück zur eigentlichen Conreview: Die feine und freie Stadt Neu-Ostringen hat mit ihren unterschiedlichen Stadtvierteln, die verschiedene Spielangebote bieten, ihrem schönen Marktplatz mit Bühne, den Händlern und vielen Details, wie z.B. den Wegweisern, schöne Ansätze – aber irgendwie wollte bei mir kein wirkliches Stadtfeeling aufkommen. Vor allem wenn ich es mit Aldradach, der Stadt beim Drachenfest vergleiche.

    Ich habe etwas gebraucht, bis ich darauf kam wieso: Während in Aldradach im Laufe der Jahr immer mehr Fachwerkkonstruktionen mit Stoffbespannung die Illusion von festen Gebäuden erschufen und damit auch (enge) Gassen visuell überzeugend dargestellt werden können, ist Neu-Ostringen eine Ansammlung von Zelten. Diese sind zwar an Straßen orientiert und oft sind die Flächen mit Abspannungen abgegrenzt, aber vom optischen Eindruck ist es nicht das Selbe.

    Besonders in der Messergasse empfand ich dies besonders, da hier für mich eine Gasse gar nicht wirklich erkennbar war. Nur der Wegweiser verwies darauf, sonst wirkte es für mich nur nach Zelten mit einem engen Pfad dazwischen. Meiner Ansicht nach hat hier die Stadt noch Potential, das man nutzen könnte, um eine stärkere Immersion zu realisieren.

    Mir ist bewusst, dass sich da schon bald die Frage stellt, was finanziell und organisatorisch leistbar ist, zumal das Zeug ja auch auf- und abgebaut sowie das Jahr über gelagert werden müsste. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die einzige als Fachwerk gebaute Konstruktion des Wettkampfoffiziums am Dienstag Abend auf Grund des Wetters fliegen gelernt hat, ist eine Realisierung mit mehreren dieser Bauten skeptisch zu sehen.

    Die Frage ist daher, ob eine klarere seitliche Begrenzung der Straßen auch durch eine Holzverbretterung von ca. 100 cm Höhe erreicht werden kann, denn anders als in Aldradach müssen in Neu-Ostringen die Häuser ja nicht direkt an der Straße stehen, sondern können erst einen „Vorgarten“ bzw. Hof haben, der aber zur Straße hin abgegrenzt ist – ohne durch eine zu Höhe Bretterwand sich auch optisch vom Spielgeschehen abzugrenzen.

    Schön finde ich das Spielangebot in der Stadt, wenngleich es dieses Jahr aus organisatorischen Gründen nicht so groß war, wie ursprünglich geplant. Das Konzept eines Bardenwettstreits, von täglichen Jahrmärkten mit Wettbewerben und Spielen und (mein Highlight) der Wahl zum Schönsten und zur Schönsten Neu-Ostringens, an dem auch Leute aus anderen Lagern teilnehmen können, bringt Leben und Kurzweil in die Stadt. Zeigt aber auch, dass eine ausreichende Zahl von Herolden erforderlich ist.

    Apropos: Ausreichende Anzahl von NSCs in der Stadt. Dieses Jahr war es wohl so eng, dass ich keine Stadtwache gesehen habe und auch kein Prospektor vor Ort war, so dass das Spielangebot mit dem Abbau von Rohstoffen ganz ausgefallen ist. Sehr schade vor allem für die Spieler (wie den in der Stadt lagernden Zwergen), für die genau das ein wichtiger Spielinhalt ist. Daher an dieser Stelle der Aufruf: Kommt als NSC nach Neu-Ostringen! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es Spaß macht und keine Langeweile aufkommt.

    Sehr engagiert waren die Mitarbeiter der IT-Zeitung, mit der ich nette Gespräche hatte. Auch die Taverne „Zum blutigen Helm“ mit ihren netten Schankmaiden war eine schöne Anlaufstelle und ausreichend Sitzplätzen. Die Getränke waren meinem Empfinden nach günstig, nur über die Öffnungszeiten sollte man meines Erachtens nach nochmal nachdenken. Eine frühere Öffnung wäre sinnvoller, um die Taverne auch als Ort der Kommunkation und des Austausches zu fördern. Zumal schon kurz nach Mittag einige potentielle Gäste vor der Taverne standen.

    Der Plot, die große Schlacht, die Lager, …

    Der Plot ist im Grunde nach im Vergleich zum Drachenfest eigentlich gar nicht so verschieden: Wesen rufen Leute zusammen, um gegeneinander zu streiten und ihr Lager zu einem Sieg zu führen. Nur das wie und warum (was einige Lager dann für sich nochmal ganz individuell begründen) ist anders. Vor allem das „Wie“ ist dabei etwas komplizierter, was sich vor allem bei den Regularien der großen Schlacht zeigt, die ich bis heute nicht ganz verstanden habe.

    Während ich bei der großen Schlacht nur Zuschauer war und daher nicht zwingend die Regeln verstehen muss, habe ich aber auch von einem Lageristen erfahren, dass er es auch nicht verstanden hat, sondern als Soldat einfach dem Adel hinterher gelaufen ist – in der Hoffnung, dass diese wissen, was sie tun.

    Nach der Hälfte der Schlacht bin ich aber auch gegangen, denn eine Schlacht zu beobachten, deren Regeln man nicht versteht und bei dem einen auch egal ist, wer gewinnt, ist nicht sonderlich spannend. Letztendlich geht es hier aber auch darum, dass die Teilnehmer der Schlacht ihren Spaß mit schön ausgespielten Kämpfen haben und nicht ich als Zuschauer. Und wenn sie das hatten ist Alles gut.

    Während beim Drachenfest die Lager auf Grund von Aspekten unterschieden werden sind die Lager beim EE eher kulturell unterschiedlich. Damit erreicht man eine Homogenität, was den Hintergrund und damit auch die Optik der einzelnen Lager bereichert. So verteilen sich zum Beispiel die Elben nicht über mehrere Lager, sondern können durch die starke Präsenz innerhalb eines Lagers und das daraus resultierende gemeinsame Auftreten eine visuell überzeugende (und auf mich überwältigende!) Darstellung präsentieren.

    Der Anspruch

    Seit Anfang an hat das Epic Empires den Ruf hinsichtlich Kleidung und Ausstattung einen besonders hohen Anspruch zu haben. Ein Anspruch, der durchaus auch Spieler abschreckt, die (berechtigt oder auch unberechtigt) Angst haben diesen Ansprüchen nicht zu genügen. Um meine Erfahrung kurz zusammen zu fassen: Auch beim EE kocht man nur mit Wasser.

    Um es etwas länger zu machen: Die Gewandungen auf dem EE findet man in der Qualität durchaus auch auf anderen Cons, wie z.B. dem Drachenfest. Hier kommen sie nur „komprimierter“ und durch die Auslegung der Lager an kulturellen Hintergründen in einem entsprechend wirkenden Kontext vor. Zudem scheint es die großen Ausreißer im Niveau nach unten nicht bzw. in geringerer Zahl zu geben. Auch ist mir die höhere Dichte an IT-Schuhen aufgefallen.

    Dennoch standen bei verschiedenen Wettbewerben – auch von Teilnehmern aus verschiedenen Lagern – Outdoor-Sandalen und Doc Martins bzw. Springerstiefel auf der Bühne. In den Gruppen-Lagern und der Taverne finden sich Biertischgarnituren, die meist nur gering abgetarnt sind. Morgens früh sieht man die eine oder andere PET-Flasche irgendwo hervor blitzen und zwischen einigen Zelten liegen blaue Müllsäcke (wobei mich das auf jedem Con stört, da man das immer vermeiden kann). Die Plastikbecher mit dem Slush-Eis, mit dem einige Leute herum liefen, hat mich in Neu-Ostringen aber mehr gestört, als das in Aldradach der Fall war.

    Das liegt wohl auch an der Erwartungshaltung, die ich auf Grund des Leitfadens für die Stadt gehabt habe. In dem Leitfaden wird ein Anspruch formuliert, der letzendlich doch nicht in dieser Form eingehalten wurde. Obgleich es eigentlich ein Anspruch ist, der meiner Ansicht nach gar nicht mal so schwer zu erfüllen ist, zumal man in der Stadt hinsichtlich der Ausgestaltung freier ist als in den Lagern. Ehrlich gesagt war ich diesbezüglich etwas enttäuscht.

    Abschließend ist aber zu sagen, dass es (auch bei Einhaltung des Leitfadens) kein Diplom in historischem Nähen und Handwerken oder eine authentisch-historische Kleidung braucht, um den Ansprüchen auf dem Epic Empires zu genügen. Ich denke Jeder, der etwas Gedanken und Mühe auf seine Charakterkleidung und -ausstattung verwendet, wird hier seinen Platz finden.

    Die Mitspieler (SCs wie NSCs)

    Letztendlich steht und fällt ein Con immer durch die Mitspieler – unabhängig davon, ob sie Spieler- oder Nichtspielercharaktere darstellen. Die Mehrzahl war wirklich angenehm und mit vielen Leuten hatte ich schönes Spiel, wobei mir die Kontaktaufnahme durch meine Aufgabe als Herold auch erleichtert wurde.

    Ich konnte viele Spieler wiedertreffen, die ich teilweise lange nicht mehr gesehen hatte und woraus sich interessante Gespräche und Momente ergeben haben. Aber ich habe auch neue Leute bzw. Charaktere kennen gelernt, wie die Crew der „Dorothee“ und die symphatischen und engagierten Ungeheurjäger (mit den Typen, die Tiberius Graufuchs und Rochus verdammt ähnlich sehen).

    Ein besonderer Dank geht an den Tsa-Tempel, die mich so freundlich und unkompliziert aufgenommen haben und bei dem ich auch mitessen durfte. Vielen Dank auch für das schöne Spiel als auch die netten OT-Gespräche, die wir geführt haben. Und ich frage mich (und bedauere es), warum wir bisher nie solche viel gemeinsames Spiel hatten und solche Gespräche geführt haben.

    Fazit

    In einem Lager wäre mir, der eher als Diplomat anstatt als Kämpfer unterwegs ist, wahrscheinlich langweilig, da das EE nach meinem Eindruck und auch von den Erzählungen von Freunden in verschiedenen Lagern in erster Linie ein kampf- und schlachtenlastiges Con ist. Die Stadt war hier sicher die absolut richtige Wahl für mich und vielen Dank an Balu, dass er mich zu den Herolden geholt hat, denn so hatte ich direkt eine Aufgabe, bei der ich auch mit vielen anderen Spielern in Kontakt gekommen bin.

    Auch wenn mich das EE jetzt nicht so begeistert hat wie das Drachenfest (wo ich aber jetzt schon mehrere Jahre hin fahre, viele Kontakte, eine Aufgabe und so habe), werde ich – wenn es zeitlich passt – auch 2019 nach Neu-Ostringen reisen. Auch gerne wieder als Herold. Zum Einen, weil ich dort viele Leute wieder getroffen und kennen gelernt habe, mit denen ich gerne (weiter) spielen möchte. Zum Anderen, weil ich hier für mich im Spiel noch viel Potential sehe.

    Ergo: Wenn alles klappt auf ein Wiedersehen in Neu-Ostringen im nächsten Jahr.

  • Ein Glas und eine Karaffe mit Wasser stehen auf dem Tisch. Im Wasser bildet sich das Rollen des Schiffes in der Dünung einer abgelegenen Bucht ab. Im Schein einer Laterne, in der die Flamme hinter einem Glas gut geschützt ist, erfüllt wieder einmal das Kratzen der Feder die Kabine des Kapitäns auf der „Kraken“.

    „Wäre Mattias Jess nicht gewesen, dem ich seit unserer ersten Begegnung in Weltenwacht vor über sieben Götterläufen in tiefer Freundschaft verbunden bin, hätte ich wohl nie meine Füße auf die Erde der Lesath gesetzt. Doch so habe ich mich von den Drachenlanden aus direkt auf den Weg zur feinen und freien Stadt Neu-Ostringen gemacht.

    Auf dem Weg traf ich einige Aventurier, mit denen ich gemeinsam reiste und bei denen ich unterkam. Eine Gruppe von Geweihten und Novizen der Tsa-Kirche, die mir in den folgenden Tagen die Lehren dieser oft verkannten Kirche in der ihr innenliegenden Ernsthaftigkeit nahe brachten. Besonders der Aspekt des Neuanfangs und damit dem setzen eines neuen Kurses hat einen größeren Einfluß gehabt, als ich es auch jetzt noch mehr erahne als begreife.

    Schon seit einigen Jahren ist mein ‚Zwillingsbruder‘ in Neu-Ostringen als Herold tätig, so dass ich nicht zögerte ihn in seinen Aufgaben zu unterstützen. Eine interessante aber auch oft frustrierende Aufgabe, denn eine Einhaltung von Zeiten und angekündigten Veranstaltungen war einfach nicht sicherzustellen. Wenn ich so mein Schiff führen würde, hatten wir ständig eine große Wuhling an Bord.

    Wir Herolde – Mattjess, die bezaubernde Milla, Fathima, Maximilian und ich – versuchten unser Möglichstes, aber die Widerstände waren oft zu groß. Was vor allem daran lag, dass die eigentlich Verantwortlichen die Verantwortung für ihre Aufgaben meist vermissen ließen. Man hatte das Gefühl, dass ein ständiges ‚Daddeldu‘ wie bei der ‚Dorothee‘ herrschte – nur ohne, dass dieses irgendwann endet und trotzdem alle ihre Grogration haben wollen.

    Aber ich habe in ‚Streitland‘ auch unabhängig davon das Gefühl, dass die Meisten ihr Hirn an der Landesgrenze ablegen – wenn nicht schon vorher. Denn der ‚Wettkampf‘ dient nur dem Zweck möglichst viel Blut zu vergießen, damit eine angeblich böse Göttin gefangen bleibt und dort alles so bleibt, wie es ist. Und damit natürlich für die unsterblichen Lesath. Und Alle finden es richtig eine nicht bekannte Magie mit ihrem Blut zu unterstützen.

    Ich habe starke Zweifel, ob die Meisten dieser Leute – und da beziehe ich besonders meine Handelspartner aus Yddland mit ein – das außerhalb von diesen Landen auch so sehen. Aber auf lesathischem Boden scheint Blutmagie plötzlich vollkommen normal und unterstützenswert zu sein. Ganz ehrlich: Wie bescheuert kann man sein?

    Wo man beim Fest der Drachen zumindest nicht nur für die Herrschaft des Drachen, sondern damit auch für die von einem selbst unterstützten Aspekte, die nach einem Sieg auch in die Welt hinaus getragen werden, kämpft, sehe ich in dem Blutvergießen im Lesathland keinen Sinn. Die Lesathen machen ein großes Geheimnis daraus oder erzählen nur ihre Version einer Geschichte und führen sich auf, als hätten sie die Arroganz erfunden, scheinen aber ohne fremde Hilfe aufgeschmissen zu sein.

    Die meisten Reisenden haben einen großen Spaß daran sich gegenseitig abzuschlachten, da man ja wegen eines Zaubers der Lesath nur selten stirbt, während hier irgendwer oder irgendwas durch Blutmagie Kraft sammelt. Gleichzeitig wird vor der bösen Göttin Theki gewarnt. Ich habe die Erzählung gehört, dass einst zwei Götter gegeneinander kämpften und die Welt zu zerstören drohten. Nur mit der Hilfe der mächtigen Theki konnten die Lesat diese Götter verbannen – und haben dabei Theki, die ihnen zu mächtig geworden war – direkt mit eingesperrt. Wenn das wahr ist, dann kann ich zumindest nachvollziehen, warum Theki sauer ist.

    Nachts lauerten uns in der Stadt aber auch in den Lagern Gestalten aus schwarzem Rauch, welche ‚Schatten‘ genannt wurden, auf und bisher konnte mir Niemand erklären, wo die nun herkommen. Auch gibt es einen Kult einer Göttin mit vier Gesichtern, die starke Verwandschaft zu der vielgeschlechtlichen Versucherin zu haben scheint. Aber gut, dass wir sonst keine Probleme haben und weiter Blutmagie unterstützen, ohne wirklich sicher zu wissen warum und wofür.

    Sich selbst Probleme machen kann man aber auch in Neu-Ostringen. Einer Stadt, die von zwei demokratisch gewählten Bürgermeistern und einem Stadtrat regiert wurde. Im Stadtrat waren alle Stadtviertel vertreten, aber normalerweise nur drei anwesend. Einer der Bürgermeister war Janko, ein Magister aus Riva, dem ich schon vor einigen Jahren in Amonlonde begegnet bin, und der Keiv, den Geschützmeister der Gorgon, als Leibwächter unter Sold hatte.

    Der Andere, John Williams, ist überzeugter Demokrat und gibt sich als Mann der kleinen Leute, zugleich hat er jedoch viel Geld in seinen Wahlkampf gesteckt. Geld, das ja wohl irgendwo her kommen muss. Er war es dann auch, der hinter dem Rücken des Stadtrates geheime Verhandlungen mit dem Lager des alten Weges führte, während der Stadtrat beschloss die Miliz gegen dieses Lager ausrücken zu lassen. So warnte Williams mit einem Brief das Lager, das ’seine‘ Miliz angreifen wird.

    Er zog selber mit der in diesem Jahr erstmalig aufgestellten Miliz, die das Lager des alten Weges stürmte, und wurde dabei verwundet. Verwundert zeigte sich indessen der Oberst (übrigens ein Aventurier aus Trallop), dass Geheimverhandlungen liefen und er keinen seiner Leute einer Gefahr hätte aussetzen müssen. Den erzürnten Altweglern übergab er daher den Bürgermeister zur Bestrafung. Eine Bestrafung, bei der viel Blut floß, wie ich anmerken möchte.

    Abend echauffierte sich Williams dann noch in der Taverne und forderte den Oberst wegen Hochverrats anzuklagen, öffentlich vor Gericht zu stellen und aufs Ärgste zu bestrafen. Da das aber nicht in unser Aufgabengebiet als Herolde fiel, machten wir uns weiter an die uns zugewiesene Durchführung der Wahl des neuen Bürgermeisters von Neu-Ostringen, in deren Rahmen auch ich mich als Bürger der Stadt eintrug.

    Gerade als wir Herolde am nächsten Tag alle Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl beim Bürgerhaus abgegeben hatten, wurde der von uns abgehaltene Jahrmarkt jäh beendet und Käpt’n La Hire trat mit dem Oberst und dem Hauptmann der Pulvergasse auf die Bühne: Die Bürgermeister und der Stadtrat wurden für abgesetzt erklärt und sie Drei würden die Herrschaft übernehmen.

    Kurze Zeit später wurde die Kesselgasse barrikadiert und erklärte sich als „Alt-Neu-Ostringen“ für selbstständig unter den amtierenden abgesetzten bisherigen Bürgermeistern. Die Ereignisse überschlugen sich, da während der großen Schlacht einige Städter im Bündnis mit dem Lager des grünen Kometen die Stadt besetzten und nun gegen die Putschisten die Miliz das Triumvirat verteidigten. Wir mir erzählt wurde war das Triumvirat aber schon gar nicht mehr vollständig, da der Pulvergraben die Seiten gewechselt hatte.

    Colonel La Hire wurde als Einziger des Triumvirats brutal mißhandelt, bevor man sich einigte, dass fortan zwei Bürgermeister und der Oberst gemeinsam die Stadt regieren sollen. In der ganzen Wuhling sind übrigens die Stimmzettel verschwunden, so dass die Bürgermeister scheinbar erstmal einfach weiter regieren. Bei einem Gespräch zwischen wenigen Leuten wurde in einem Kompromiss das Herrschaftssystem der Stadt geändert und der Frieden bewahrt und alle Demokraten waren zufrieden.

    Apropos Demokraten: Als ich meiner Aufgabe als Herold nachkam und zur Wahl des Bürgermeisters aufrief, wurde ich vom Schiffsarzt der ‚Drunken Bastard‘ tätlich angegriffen. Er bespritze mich mit Wasser aus einer Landlenzpumpe! Dieser alte Bock mit seinem roten Hütchen, der scheinbar allzu gerne selbstherrlichen Herrschern in den Allerwertesten kriecht!

    Dabei habe ich nur meine Aufgabe wahrgenommen, für die ich Heuer erhielt – selber bin ich ja gar kein Demokrat. Eine Erkenntnis, die sich in den Tagen in Neu-Ostringen nochmal bekräftigt hat. So wie, ich Herrscher, welche diese nur auf Gewalt oder angeblich göttliches Recht oder alte Stammbäume begründen, ablehne, so schreckt mich doch der Mob oder widerwärtiges Pack, welches plötzlich regieren darf, fast noch mehr.

    Ein gutes Beispiel, welche mißratenen Subjekte bei der Demokratie einen Anteil an der Macht haben dürfen, zeigte sich gut in der Gerichtsverhandlung gegen einen Wirt aus der Messergasse und seinem Handlanger. In seiner Spelunke hatte er zwei Gäste aus dem Lager des Lichts mit einem Schlafgift betäubt, sie ausgeraubt und – wie ich vernommen habe – den Horden des Chaos ausgeliefert. Bis zum Schluß blieb er uneinsichtig, spuckte auf das Gastrecht und verwies auf ein Schild an der Messergasse, dass es dort gefährlich sei. Als ob ich mit einem entsprechenden Schild am Haus auch jeden Mord entschuldigen könnte.

    In einer öffentlichen Gerichtsverhandlung wurde er zur Zahlung einer Strafe verurteilt und seine Taverne geschlossen. Darüber hinaus wurde er für einen Götterlauf aus der Stadt Neu-Ostringen verbannt. Von mir aus hätten sie ihn aber auch am Zeremonienpodest, dem einzigen Ort, an dem man endgültig stirbt, aufknüpfen können. So bleibt mir nur die Hoffnung, dass dieses verkommene Sujekt in dem Jahr seiner Verbannung den Tod findet und sein Handlanger ebenfalls.“

    Askir legt die Feder beiseite. Das Rollen des Schiffes hat zugenommen, was sich auch in der Schrift in seinem persönlichen Logbuch widerspiegelt. Kurzentschlossen erhebt er sich und verlässt die Kajüte, um einen prüfenden Rundgang an Deck zu machen. Ein Sturm scheint aufzuziehen und die Dünung hat sich verstärkt. Sicherheitshalber lässt er seewärts an Bug und Heck noch jeweils einen Anker ausbringen. Auch wenn die Frauen und Männer in der Schaluppe ihn für diese harte und nasse Arbeit verfluchen mögen – ein Stranden wäre sicherlich nicht besser. So vergeht einige Zeit, bis der Kapitän wieder an seinen Schreibtisch zurück kehrt.

    „Johann von Schattenthal war in Lethe – unsere erste Begegnung seit unseren gemeinsamen Erlebnissen in Magonien vor gut neun Götterläufen. Er hat in dieser Zeit Aventurien und den Zwölfen den Rücken gekehrt und ist offensichtlich zu einem Iren geworden, wenngleich es für mich noch immer schwer ist das nachzuvollziehen. Doch er hat, seinen Worten nach, dort endlich Heimat, Familie und Sinn gefunden. Wie er richtig feststellte haben wir uns beide seit Magonien verändert.

    Ich glaube nicht, dass Johann weiß, wie sehr mich seine Worte und unser Gespräch berührt und nachdenklich gemacht haben. Er hat recht: damals noch ein allein reisender Glücksritter, der auf Phexens Hilfe hoffend auf etwas Wohlstand hoffte, heute ein durchaus wohlhabender Händler, der die Zeit hat mit einem eigenen Schiff unterwegs zu sein. Doch noch lange habe ich in dieser Nacht alleine auf der Treppe zur Bühne gesessen und über ‚Heimat‘, ‚Familie‘ und ‚Sinn‘ nachgedacht.

    Noch immer bin ich unterwegs, auf Reisen und kein Ort kann mich lange halten. Mein Schiff gleitet durch die See auf immer neuem Kurs und mit ständig wechselnden Zielen. Auf der Suche nach Abenteuer und vielleicht auch einem Ort, den ich ‚Heimat‘ nennen kann. Vielleicht aber auch, weil ich mich noch immer schwer damit tue, die See meine ‚Heimat‘ zu nennen – wenngleich sie die erste Antwort auf die Frage nach meiner Heimat ist, die mir in den Kopf kommt.

    Bei dem Begriff ‚Familie‘ sah ich direkt ein großes Zelt mit Theke vor mir. Mehrere Schiffe, die Reling an Reling die Freiheit über die Meere tragen. Die vertrauten Gesicher von Arktos, Rubeus, Morgon, Draussen, … So verrückt es klingen mag, aber vor Allen sind es diese Männer und Frauen aus ‚Fortunas Flotte‘, die ich als meine Familie bezeichnen würde. Die meine Leidenschaft für die See und die Freiheit teilen. Auf die ich vertraue, wie sie sich auf mich verlassen können.“

    Wieder legt Askir die Feder beseite. Er nippt am Glas Wasser, während er – den Blick aus den Heckfenstern hinaus auf die See gerichtet – überlegt, was er über den Sinn in seinem Leben schreiben soll. Was es dazu überhaupt zu schreiben gibt. Er ist ein Verfechter der Freiheit, aber er weiß auch zu gut, dass es in seinem Inneren noch eine Leere gibt, die genau diese Sinnfrage betrifft. Er hat in besagter Nacht nach dem Gespräch mit Johann länger darüber nachgedacht – ohne dass er eine Antwort gefunden hätte. So beschließt er es derzeit darauf beruhen zu lassen und nimmt wieder die Feder zur Hand.

    „Was in ‚Lesathien‘ vor sich geht kann nicht gut sein, wenngleich es ein gutes Beispiel dafür abgibt, wie dumm Menschen sein können, wenn man ihnen nur einen halbwegs schlüssigen Grund für Blutmagie liefert. Von mir aus könnte man dieses Land damit allein lassen, doch zeitgleich gibt es dort gute Menschen, um die ich besorgt bin. Wie meine alten Freunde aus Yddland und meine neuen Freunde vom Tsa-Tempel, meine alten Kameraden von der ‚Drunken Bastard‘, die neuen Bekannten von der ‚Dorothee‘ – und nicht zuletzt die ‚Herolde‘, in erster Linie Mattias Jess. Sie sind der Grund, warum ich darüber nachdenken werde auch zu den nächsten Spielen in ‚Lesathien‘ zu reisen. Irgendwann in einigen Monden.“


    OT-Anmerkung
    Ich weise darauf hin, dass es sich bei dem obigen Text um eine Wiedergabe der Eindrücke meines Charakters Askir von der See handelt. Er beinhaltet das, was ich erlebt und erfahren habe – was nicht zwingend objektiv richtg sein muss.
    Ebenso ist Askirs Meinung über einzelne Charaktere genau das: Askirs Meinung über Spielercharaktere, nicht zwingend über den Spieler hinter dem Charakter.
    Dementsprechend bitte ich den obigen Text als reine IT-Meinung zu betrachten. Das diese Informationen natürlich nicht im Spiel verwendet werden sollten, da das private Logbuch von Askir nicht Jedem zugänglich ist, sollte selberverständlich sein.